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Projekt "Bikeshopping der Zukunft".

Bikeshopping der Zukunft

Ein neues Fahrrad ist eine Investition. Ob es zu einem passt, wie es sich fährt, das lässt sich bislang meist nur vor Ort im Geschäft erleben. Künftig könnten Erweiterte Realitäten (ER) mit digitaler Körpervermessung und virtuellen Digitaltools neue und ortsunabhängige Möglichkeiten schaffen. Industriedesign-Studierende aus dem Human Factors Lab der Hochschule Darmstadt haben für den Fahrradhersteller Canyon mehrere Designentwürfe für das Bikeshopping der Zukunft entwickelt.

28.08.2026

Mit die wichtigste Frage beim Fahrradkauf: Passe ich gut drauf, hat also der Rahmen die richtige Größe? Im Laden vor Ort ist das so genannte Bike Fitting kein Problem, aber geht das auch digital und ortsunabhängig? Mit Fragen wie diesen haben sich insgesamt 13 Studierende aus dem Fachbereich Gestaltung der h_da unter der Leitung ihrer Professoren Philipp Thesen und Tino Melzer beschäftigt. 

In einem zweisemestrigen Entwurfskurs haben sie ausgelotet, welche Potenziale sich mit ER rund um den Recherche- und Kaufprozess eines neuen Fahrrads bieten. Wie sich die reale Welt mit virtuellen Umgebungen kombinieren lässt. Ein Semester lang haben sie zunächst intensiv recherchiert und sich auch vor Ort bei Canyon inspirieren lassen. Im zweiten Semester wurden dann insgesamt sechs Prototypings entwickelt und schließlich in der Firmenzentrale in Koblenz präsentiert.

Eine App für zu Hause, die bei der Auswahl des richtigen Fahrrads hilft.

„Home Fit“ heißt ein Designentwurf, der dabei hilft, mit dem Smartphone die passende Rad-Rahmengröße zu bestimmen. Die Kamera erstellt hierbei ein digitales Skelett.

Mit „V-Ride“ kann man eine Probefahrt auf einer virtuellen Radroute ausprobieren.

Der Designentwurf „V Ride“ ermöglicht es, auf einem speziell konfigurierten Smart Trainer per VR-Brille verschiedene virtuelle Teststrecken zu fahren

Die App „Trace“ soll den Warteprozess auf das neue Fahrrad verkürzen.

„Trace“ soll den Warteprozess auf das neue Rad versüßen. Auf der digitalen Plattform lassen sich Produktion und Lieferung nachverfolgen. Alle Fotos: Human Factors Lab.

Home Fit nennt sich ein Entwurf, der es ermöglicht, daheim mit dem Smartphone die passende Rahmengröße zu bestimmen. Mit Hilfe der Kamera werden hierbei über ein digitales Skelett einzelne Körperteile und Gelenke vermessen, etwa die Beininnenlänge. Auf Grundlage der persönlichen Geometrie wird dann ein Avatar erstellt und auf die empfohlene Rahmengröße projiziert. Interessierte können nun sehen, wie sie auf unterschiedlichen Radmodellen sitzen würden.

Auch Probefahren geht in der VR-Simulation. „V Ride“ heißt ein speziell konfigurierter Smart Trainer, auf dem Radinteressierte im Geschäft vor Ort mit einer VR-Brille virtuell Radfahren. Auf dem mobilen Trainer lassen sich Fahr- und Komforteigenschaften verschiedener Modelle auf virtuellen Strecken testen. Haptisches Feedback erhalten die Fahrenden mittels Elektromagneten und Bass-Shakern, für ein authentisches Fahrerlebnis.

Ist das Rad einmal bestellt, soll „Trace“ den Warteprozess versüßen. Auf der digitalen Plattform lassen sich Produktion und Lieferung nachverfolgen. Mit dem Rad erhalten die neuen Besitzer dann einen Non-Fungible Token (NFT). Das digitale Tool bietet einen fälschungssicheren Eigentumsnachweis, verhindert Diebstahl und vereinfacht den Eigentümerwechsel, sollte das Rad verkauft werden.

Zu den weiteren Entwürfen der Studierenden zählen ein digitaler Spiegel für Pop-up-Stores zur 3D-Vermessung für die Fahrradausstattung. Zudem eine digitale Community für Beratung und Austausch zwischen Radbegeisterten sowie eine Service-App, die Canyon-Kunden ein Fahrradleben lang begleiten soll.

„Unser wissenschaftlicher Ansatz im Human Factors Lab ist, die Möglichkeiten des Designs an den Bedürfnissen der Menschen orientiert zu erkunden, auszuloten und hieran orientiert neue Wege zu gehen“, beschreibt Professor Philipp Thesen die Herangehensweise des h_da-Teams. Professor Tino Melzer: „Produktinnovationen scheitern oft, weil Nutzerinnen und Nutzer sie nicht annehmen. Gerade digitale Produkte müssen jedoch immer intuitiver und einfacher zu bedienen sein, da an virtuelle und Online-Erlebnisse zunehmend höhere Anforderungen gestellt werden.“

Direkt umgesetzt werden die Entwürfe der Studierenden von Canyon noch nicht. Das Produktdesign um Lars Wagner sieht aber Zukunftspotenzial in den Ideen des Industriedesign-Nachwuchses. Und die h_da-Studierenden sind als hochqualifizierte Fachkräfte begehrt: Mehrere von ihnen arbeiten bereits im Entwicklungsteam des Radherstellers.